Enissa Amani hat ihre öffentliche Arbeit in den vergangenen Jahren zunehmend mit Menschenrechtsfragen verbunden. Besonders deutlich wurde das mit „Die beste Instanz“, einem von ihr selbst initiierten und finanzierten Diskussionsformat über Rassismus und Ausgrenzung. Das Projekt wurde 2021 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Später übernahm Amani weitere öffentlich dokumentierte Aufgaben und Aktionen zu Menschenrechten, Rassismus, der iranischen Freiheitsbewegung und humanitären Anliegen.
Ihre politische Haltung beschreibt sie selbst als stark durch ihre Familie geprägt. Ihre Eltern kamen nach politischer Verfolgung im Iran in den 1980er-Jahren nach Deutschland. Ein genaueres Fluchtjahr lässt sich nicht zuverlässig angeben, weil sich etablierte Quellen dabei widersprechen.
Quick Facts
| Field | Details |
|---|---|
| Name | Enissa Amani |
| Öffentliche Rolle | Deutsch-iranische Künstlerin und Menschenrechtsaktivistin |
| Bekanntes Projekt | „Die beste Instanz“ |
| Verantwortung für das Projekt | Idee, Konzept, Moderation und eigene Finanzierung |
| Auszeichnung | Grimme Online Award für „Die beste Instanz“ |
| Zentrale Themen | Menschenrechte, Antirassismus und soziale Gerechtigkeit |
| Iran-Engagement | Öffentliche Unterstützung der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ |
| Weitere öffentliche Aufgabe | Schirmherrschaft beim Human Rights Film Festival Berlin |
Politische Prägung durch Flucht und Familie
Amani hat in mehreren Interviews erklärt, dass ihre Eltern im Iran politisch verfolgt wurden. Ihren Vater bezeichnete sie selbst als politischen Gefangenen. Die Familie kam in den 1980er-Jahren nach Deutschland, als sie noch ein kleines Kind war.
Zum genauen Zeitpunkt gibt es unterschiedliche Angaben. Amani selbst nannte in einem Interview 1986, während andere etablierte Veröffentlichungen 1985 oder 1987 angeben. Deshalb lässt sich nur der Zeitraum der 1980er-Jahre zuverlässig festhalten.
In Gesprächen über ihre Kindheit schilderte sie auch die wirtschaftlich einfachen Verhältnisse ihrer Familie nach der Ankunft in Deutschland. Ihre Eltern hätten zunächst unter anderem einfache und schlecht bezahlte Arbeiten übernommen.
Politisches Engagement gehörte nach ihren eigenen Erinnerungen früh zu ihrem Umfeld. Sie berichtete von Demonstrationen, politischen Diskussionen, Organisationsarbeit und Protestaktionen ihres Vaters. Menschenrechte seien für sie deshalb nicht erst durch ihre spätere öffentliche Arbeit relevant geworden.
Vom eigenen Diskussionsformat zum öffentlichen Engagement
Ein zentraler Schritt in Amanis dokumentierter Arbeit gegen Rassismus war „Die beste Instanz“. Das Grimme-Institut führt sie als Verantwortliche für Idee und Konzept des Formats. Sie moderierte das Projekt und finanzierte es selbst.
In einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur erklärte sie, dass sie nicht darauf warten wollte, bis andere ein entsprechendes Gesprächsformat schaffen. Stattdessen setzte sie das Projekt selbst um.
Inhaltlich beschäftigte sich „Die beste Instanz“ mit Rassismus, Ausgrenzung und gesellschaftlichen Debatten. 2021 erhielt das Projekt den Grimme Online Award. Damit wurde eine Arbeit institutionell ausgezeichnet, die Amani außerhalb ihrer bisherigen öffentlichen Tätigkeit eigenständig entwickelt hatte.
Menschenrechtsarbeit als eigenständiger Teil ihrer öffentlichen Rolle
Nach „Die beste Instanz“ wurde Menschenrechtsarbeit zunehmend als eigener Bestandteil von Amanis öffentlicher Tätigkeit sichtbar. Das Human Rights Film Festival Berlin bezeichnete sie 2023 ausdrücklich als Künstlerin und Menschenrechtsaktivistin und bestätigte ihre damalige Schirmherrschaft.
In dem dort veröffentlichten Interview erklärte Amani, dass ihr Engagement eng mit den Erfahrungen ihrer Eltern verbunden sei. Sie beschrieb Menschenrechte, Gerechtigkeit und den Schutz menschlichen Lebens als Themen, die in ihrer Familie schon früh präsent gewesen seien.
Auch ihr Verständnis von Freiheit formulierte sie dort konkret. Für sie gehöre dazu, die Freiheit von Menschen mit anderen Ansichten zu verteidigen, solange diese Positionen innerhalb der Grenzen von Menschenrechten und Verfassung lägen.
Ein ähnliches Demokratieverständnis äußerte sie 2024 gegenüber dem Tagesspiegel. Unterschiedliche Auffassungen müssten nach ihrer Ansicht in einer demokratischen Gesellschaft möglich sein, sofern sie nicht auf Hass, Rechtsextremismus oder Unterstützung terroristischer Organisationen beruhten. Gleichzeitig betonte sie den universellen Charakter von Menschenrechten.
Engagement für die iranische Freiheitsbewegung
Nach dem Tod von Jina Mahsa Amini und dem Beginn der großen Proteste im Iran äußerte sich Amani wiederholt zur Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“.
In einem direkten Interview im Oktober 2022 stellte sie klar, dass sie den Protest nicht als Bewegung gegen das religiöse Tragen eines Kopftuchs versteht. Entscheidend sei für sie vielmehr die freie Entscheidung von Frauen und der Widerstand gegen staatlichen Zwang.
Sie verwies dabei auch darauf, dass Frauen mit Kopftuch für das Recht anderer Frauen protestierten, keines tragen zu müssen. Außerdem verwies sie auf die kurdische Herkunft Jina Mahsa Aminis und auf die Situation weiterer Minderheiten im Iran.
Im September 2023 bekräftigte sie beim WDR ihre Unterstützung erneut. Dabei würdigte sie Menschen, die trotz drohender langer Haftstrafen oder anderer schwerer Konsequenzen offen gegen die iranische Regierung protestierten.
Wenn Aktivismus persönliche Konsequenzen hat
Amani hat öffentlich darüber gesprochen, dass ihre politische Arbeit auch persönliche Belastungen mit sich brachte. Gegenüber Deutschlandfunk Kultur erklärte sie 2021, nach Morddrohungen umgezogen zu sein.
Ein Jahr später sagte sie in einem weiteren Interview, dass solche Drohungen sie im öffentlichen Raum vorsichtiger und ängstlicher gemacht hätten. Amani berichtete über diese Drohungen und ihre persönlichen Folgen in eigenen Interviews.
Auch ein juristischer Konflikt wurde Teil ihres öffentlichen Protests. 2021 erklärte Amani in einem ZEIT-Interview, eine gegen sie verhängte Geldstrafe von 1.800 Euro wegen Beleidigung des AfD-Politikers Andreas Winhart nicht freiwillig zahlen zu wollen. Sie verband diese Entscheidung ausdrücklich mit ihrem Protest gegen Rassismus und erklärte, eine mögliche Ersatzfreiheitsstrafe in Kauf nehmen zu wollen.
Neben solchen konfrontativen Situationen hat Amani auch über Grenzen politischen Engagements gesprochen. Bei einem 2023 dokumentierten Workshop sagte sie, dass es legitim sei, sich zu einem Thema nicht zu äußern, wenn man sich nicht ausreichend auskenne. Sie empfahl außerdem, bewusst Abstand von Nachrichten und sozialen Medien zu nehmen und die eigene Lernbereitschaft zu bewahren.
Fortgesetzte Menschenrechtsarbeit in den Jahren 2024 und 2025
Amanis Menschenrechtsarbeit blieb auch nach ihrer Schirmherrschaft 2023 öffentlich sichtbar. Im März 2024 sprach sie im Tagesspiegel über demokratischen Pluralismus, Rechtsextremismus und die Bedeutung universeller Menschenrechte.
Am 4. Juni 2025 führte Amnesty International Deutschland sie als Erstunterzeichnerin eines offenen Briefes an Bundesregierung und Bundestag auf. Darin wurden unter anderem ein dauerhafter Waffenstillstand, humanitärer Zugang sowie die Überprüfung beziehungsweise Aussetzung bestimmter Rüstungsexporte gefordert.
Am 19. Juli 2025 trat Amani beim CSD in Frankfurt auf. Nach Berichterstattung der Frankfurter Rundschau verband sie dort internationale Krisen mit einem Appell, den Einsatz für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit nicht aufzugeben.
Im September 2025 beteiligte sie sich an einer weiteren öffentlich dokumentierten Aktion. Nach ihrer eigenen, von dpa und RND dokumentierten Erklärung schloss sie sich in Tunesien der deutschen Delegation der Global Sumud Flotilla an. Sie bezeichnete ihre Beteiligung als gewaltfreie und legale Aktion, mit der auf die humanitäre Lage aufmerksam gemacht und Hilfe gebracht werden sollte. Der WDR berichtete wenige Tage später ebenfalls über ihre Teilnahme.
Wie Enissa Amani öffentliche Arbeit und Menschenrechte verbindet
Enissa Amanis dokumentierte Menschenrechtsarbeit reicht von einem selbst initiierten Antirassismus-Projekt bis zu institutionellen Aufgaben, öffentlichen Stellungnahmen und konkreten Protest- und Hilfsaktionen. „Die beste Instanz“ nimmt dabei eine besondere Position ein, weil Amani Idee, Umsetzung und Finanzierung selbst verantwortete und das Projekt anschließend mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde.
Ihre späteren Aktivitäten knüpfen an Themen an, die sie selbst bereits mit ihrer Familiengeschichte verbindet: politische Verfolgung, Freiheit, gesellschaftliche Teilhabe und Menschenrechte. Von ihrer Unterstützung der iranischen Freiheitsbewegung über ihre Schirmherrschaft beim Human Rights Film Festival Berlin bis zu ihren öffentlichen Aktivitäten 2025 entwickelte sich daraus ein eigenständiger und fortlaufend dokumentierter Teil ihrer öffentlichen Arbeit.
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